Gestern war ich am Münchner Theater für Kinder zum Vorsprechen für einen Jahresvertrag ab September. Also morgens um neun rein den Zug und ab nach München.
Das Münchner Theater für Kinder gibt es bereits seit über 40 Jahren. Es ist in der Nähe des Hauptbahnhofes in einem alten, umgebauten Kino zu Hause. Vor der Tür hängen viele Bilder der laufenden Produktionen im Schaukasten. Unter anderem wird dort gerade „Pettersson und Findus“, „Pipi Langstrumpf“ , „Dornröschen“ und „Aschenputtel“ gespielt. In der Regel finden am Tag zwei unterschiedliche Vorstellungen statt, eine um 10 und eine weitere um 15 Uhr. Das Theater hat etwas gemütliches, verwunschenes, hutzliges. Schon im Eingangsbereich befinden sich Figurinen mit Kostümen, viele Plakate von laufenden und bereits abgespielten Produktionen, Fotos, und bunte Bilder. Besonders süß finde ich, dass die Kinder im oberen Stockwerk nach der Vorstellung eine kleine Bühne und einen Kostümfundus vorfinden und die Gelegenheit haben, sich zu verkleiden und das eben erlebte nach zu spielen. Das weckt doch Kreativität! Leider hatte ich nicht die Möglichkeit mir ein Stück dort anzusehen, meine Termine in Berlin und die daran geknüpfte Zugverbindung ließen dies zeitlich nicht zu. :-(
Das Vorsprechen an sich war sehr nett. Insgesamt waren gestern Abend sieben Mädels eingeladen. Wir hatten alle einen Termin um 18 Uhr und durften uns die Reihenfolge der Vorsprechen in Hinblick auf Nervosität und Rückreisepläne frei einteilen. Das Vorsprechen hat der Intendant Herr Redmann abgenommen. Gewünscht waren zwei Monologe, die nicht aus dem Bereich Kindertheater stammen sollten. Ich hatte das „Kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun und die Marwood aus „Mrs. Sarah Sampson“ im Gepäck. Herr Redmann war sehr freundlich, hat zu Beginn ein persönliches Gespräch geführt und dann ging' s los. Zuerst die Marwood, dann die Doris. Herr Redmann hat mich in Ruhe ausspielen lassen und schien auch sehr angetan von meiner Leistung. Jedenfalls hat er mir nach dem Vorsprechen gesagt, dass er es in Erwägung zieht mich nochmals nach München einzuladen, um mit mir zu arbeiten und mir genau zu erzählen, was dort auf mich als Schauspielerin zukommen würde. Gestern war nicht der erste Abend, an dem dort Vorsprechen stattfinden und auch nicht der letzte, also übe ich mich mal wieder darin, Geduld zu üben.
Um 20:40 Uhr saß ich dann wieder im Zug nach Berlin. Anbei bemerkt: Wer hat eigentlich City-Night-Liner erfunden? Hinfahrt 6 Stunden, zurück knappe 12. Immer wieder steht man minuten- oder sogar stundenlang auf einem Bahnhof und wartet darauf das sich der rappelnde, quietschende Zug wieder in Bewegung setzt, während man krampfhaft versucht seine Beine einigermaßen gemütlich in dem Comfortsessel zu verstauen. Ist dieses Kunststück dann endlich gelungen und der Tiefschlaf zum greifen nah, ertönt der Pfiff des Schaffners und das Rappeln und Quietschen sagt zum wiederholten Male: „Ätschibätsch- denkste“! Ich fürchte, ich werde die Initiative: Pro Nacht-ICE's gründen müssen... Um halb acht heute morgen hatte Berlin mich wieder und ich verabschiede mich jetzt mit einem „Yippiejayeahr“ in mein eigenes, richtiges Bett.
Sweet dreams!
Nadine





