Unlängst postete ich auf Das Kulturmanagement Blog zum Artikel "Die Zukunft von Kunst und Kultur: Alles wird anders" folgenden Kommentar:

 Das brauchen manche, um sich ihrer selbst vergewissern zu können: ihr „E“ über das „U“ stellen. Seltener machen sich „U“-Künstler über „E“ lustig, als dass „E“ler die „U“-Künstler verächtlich machen. Was ist aber heute „E“rnstes Theater? Und was „U“nterhaltendes?

„Politisches Theater heute funktioniert nicht mehr über Ideologien, sondern über gesellschaftliche Analyse“, behauptet zum Beispiel die Programmdirektorin des Festivals „Theater der Welt“, Frie Leysen.

Wer aber liefert die Analyse?

Brauchen wir da jemand? Loriot? Dario Fo? Pollesch? Petras?

Ne, ich glaub, das leisten wir mal eben selbst. Und das Ergebnis unserer Analyse ist nicht falscher oder richtiger als das anderer. Aber es ist brauchbar. Für uns. Und unser Publikum.

Wir halten es gern mit Loriot zum Beispiel. Wie er möchten wir die eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen halten, wie etwa die grassierende Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren. Oder die radikalen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Wie etwa Loriot (oder auch Dario Fo und seine Partnerin Franca Rame) mit wachem Blick das Verhalten von Politikern und anderen Machtmenschen geschickt entlarven und kleinbürgerliche Ordnungsprinzipien ad absurdum geführt haben (und führen), möchten auch wir mit den Stücken anderer Autoren, die wir in unseren Spielplan aufnehmen, vor allem aber mit unseren Eigenproduktionen in dieser Richtung „unterhalten“; das bringt keine Reputation bei den Auguren, macht aber im Theater denen auf der Bühne und vor allem denen im Parkett enormen Spaß.

Daraufhin schrieb Kommentatorin Klaudia Klinger das hier:

„Wie er möchten wir die eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen halten, wie etwa die grassierende Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren. “

Ab und an schau ich mal, was so in den besseren Non-U-Theatern läuft. Und da sehe ich dann: es ist genau DAS! Immer weiter, immer mehr vom selben… Zu Zeiten von Botho Strauss und Peter Stein war das noch mitreissend, berühred, verstörend. Aber heute?

Der Geist des 21.Jahrhunderts ist eben eher post-kritisch. Aus guten Gründen, denn was nützen ständig wiederholte Blicke in diverse Spiegel, wenn daraus doch nichts folgt? Und jeder das auch schon weiß, wenn er das Theater betritt?

Diese Replik regte mich an zu einem weitere Diskussionsbeitrag:

Der Geist des 21. Jahrhunderts? Der ist gar nichts. Der kann noch gar nicht – mindestens nicht beschrieben werden, weil er ja grad mal zehn ist. Aber aneinander vorbei geredet wird. Auch die ersten zehn Jahre dieses Jahrhunderts. Täglich. Und immer mehr. Es wird posaunt und auf Resonanz gehofft. Wieso? Woher kommt die Zuversicht? Die meisten betreten keinn Theater, weil sie vermeinen zu wissen, was sie da erwartet. Grad heute war Premiere von „Venedig im Schnee“. Da haben uns etliche nachher angesprochen, die (immerhin 30- bis 40jährige) erstmals in einem Theater waren – die gaben an, sie seien echt überrascht gewesen, wieviel ihnen das zusagen gehabt hätte, was sie gerade gesehen haben. Oder red ich auch gerade wieder vorbei? Oder an die Wand? Oder allein für mich?

Hat wer Lust, hier oder auf dem Originalblog einzusteigen?

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