Ich  erarbeite derzeit die Rolle Evelyn aus dem Stück "Das Maß der Dinge" von Neil Labute.

Meine erste  Übung zur Erarbeitung der Rolle ist es, einen Bericht über meine Figur zu erstellen. Ich habe  eine Szene kreiert, in der Jemand über den Charakter der Figur berichtet. Ziel ist es, der Rolle näher zu kommen, herauszufinden, was ich besonders interessant, berührend oder speziell an meinem Charakter finde.

Es geht darum, dass die Zuschauer spüren und formulieren können, was meine persönliche Inspiration ist, die Rolle zu spielen. 

Als Situation und Anlass der Rede habe ich eine Grabrede Gewählt. Die Figur, die Grabrede hält, ist die Schwester des Charakters.

Meine Figur will mit dieser Rede erreichen, dass die Menschen, die Evelyn kannten, ihre Schwester verstehen  würden. Meine Figur selbst hat es nie geschafft diesen Weg mit ihr zu gehen und wollte lieber "normal" sein. Jedoch ist sie die einzige, die je wusste, warum Evelyn so war wie sie war.

Rede:

Evelyn war ein spezieller Mensch, sie war Einzigartig. Ihr Leben galt einzig und allein der Kunst. Sie war einzigartig und allein. Sie sah die Welt mit anderen Augen. Erkannte Defizite unserer Gesellschaft so deutlich wie kein anderer Mensch, dadurch wirkte sie oft sonderbar oder egozentrisch.  Mich faszinierte vor allem ihr starker Wille, ihre Fähigkeit jede Grenze überschreiten zu können und ihre Entschlossenheit. Es geht mir nah, das sie durch ihre Sonderbarkeit und ihrer Sicht der Dinge ein trauriger, kalter Mensch wurde.
Sie war immer auf der Suche. Sie suchte nach Wahrheit und nach Veränderungen und wenn sie etwas fand, das sie verändern konnte, ging sie ihren Weg - Radikal und ohne Rücksicht auf Verluste, immer im Sinne der Kunst. In Wahrheit sehnte sie sich immer nach Menschen, die sie verstehen könnten. Ihre Ideen und Anschauungen der Welt fanden nie Anklang. Evelyn floh in eine künstliche, von ihr kreierte eigene Welt. Ihre hohe Intelligenz ermöglichten es ihr Menschen in ihrer Umgebung als Spielball zu nutzen und deren Gefühle auszunutzen. Schon in ihrer Kindheit versteckte sie sich hinter einer Fassade, sie erkannte, dass sie nur Anerkennung durch Anpassung gewinnen könnte- Evelyn nannte das: „Der Gnade anderer ausgeliefert sein". Sie schlüpfte in Rollen. Rollen waren ihr Schutz, ihre Verknüpfung zum realen Leben, ihrer Seele tat das nicht gut, sie wurde, kalt und berechnend. Moralvorstellungen und Werte wie wir sie kennen, legte die wahre Evelyn im Sinne der Kunst ab. Ich verstehe, dass Evelyn keinen Wert mehr auf die Moralvorstellungen und Werte unserer Gelellschaft legte, welche sich doch selbst so viel vorgaukelt, sich selbst belügt. Evelyn wurde  nie verstanden.  Die Werte dieser Gesellschaft sind für Evelyn „Falsch nicht, nicht echt und insofern verlogene Kunst." Zum Symbol ihres größten Werkes, dem "Werk ohne Titel",  machte sie eine Statue, die einen nackten Mann darstellt. Ein Nackter Mann. Die Staue wurde zensiert. Und damit in Evelyns Augen ihrer Subjektivität beraubt. Sie wurde angepasst, sie wurde verlogen. Mit ihrem umstrittenen "Werk ohne Titel" wollte sie der Gesellschaft endlich zeigen, wie oberflächig und verlogen sie ist. Sie nahm sich ein Menschen, der wenig Beliebt war und passte ihn an, sie zensierte ihn. Sie formte eine Menschliche Skulptur. Sie wollte schockieren, wollte zeigen, was es bedeutet, sich der Gesellschaft anzupassen, worauf wirklich Wert gelegt wird und welche Werte in Wahrheit zählten. Sie formte ihre Skulptur nach den „Vorstellungen und Maßstäben unserer Gesellschaft zu etwas besserem" Der Junge wurde „interessanter, begehrenswerter, normaler, besser" Je beliebter er wurde, umso Fragwürdiger wurden seine Handlungen, er sah mehr und mehr über die Regeln der Werte der Gesellschaft hinweg. Sie wollte mit ihrer Arbeit der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, der ihnen zeigen sollte  wie verlogen und Oberflächig sie doch ist.

Ich verstehe die Suche nach Wahrheit. Ich verstehe wie es ist, sich anzupassen um so akzeptiert zu werden. Es ist schade dass ihre Seele auf der Suche leiden musste. Sie musste liebende ziehen lassen, anderen Menschen weh tun und war in Wahrheit ganz allein. Evelyn fand keinen Halt.  Evelyn konnte die Wahrheit nicht sichtbar für andere machen, egal wie laut sie Schrie.

 

 

 

 

 

 

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