Heute fahren wir von Kabul nach Jalalabad und von dort aus an die pakistanische Grenze, von wo wir unseren "stringer" oder Reporter, den 21jährigen M.K. abzuholen. Kabul liegt auf 1800mt ü.d.M. und die Temperaturen hier sind mit trockenen 40 Grad einigermassen auszuhalten. Jalalabad hingegen liegt in den soganannten östlichen Stammesgebieten, auf der Hochebene unterhalb der Spinhar-Berge, wo auch das berüchtigte Tora Bora liegt. Auf ca. 1200mt Höhe ist die Stadt mit über 50 Grad genauso feucht wie der Süden Irans. Ich bin während dieses Tages trotz der Landeskleidung (weisses chamiz und weisse weite Hosen) förmlich geschmolzen.

Auf der Rückfahrt von Pakistan haben wir Ms Dorf besucht und platzten mitten in eine Wahlversammlung eines konservativen Kandidaten, bei der die Ältesten von 5 Stämmen anwesend waren. Ich sehe nun mal nicht afghanisch aus, und die 60-70 Gesichter, die mir da entgegen blickten, hätten allesamt aus Osamas Leibgarde stammen können. Und trotzdem nahm man mein Team und mich mit extremer Freundlichkeit auf. Wir durften nicht nur filmen wie wir wollten (dabei bin ich dann endgültig klitschnass geworden) sondern wurden auch involviert und nach unserer Meinung zum Wahlprogramm des 70jährigen, langbärtigen Kandidaten befragt. Unsere Antworten haben offenbar gefallen, denn danach wurde gegessen und getrunken und gescherzt bis zum Abwinken. Wie schon öfters vorher, bin ich mehr oder minder elegant um ein paar gut gemeinte Aufforderungen, doch endlich zum Islam überzutreten, herumgekommen. Etwas im Halse stecken blieb mir das Lachen nur, als einer der älteren mujaheddin beim Tee dann Stein und Bein behauptete, im Gebirge des Spinhar (wo auch TB liegt) sei Hitlers Mutter geboren, und er sei so stolz, mit mir an einem Tisch bzw. auf einem Teppich zu sitzen. Klar, das kennt man, wenn man diesen Teil der Welt öfters bereist, und man macht gute Miene zum meist gutgemeinten und meist schlecht unterrichteten Spiel. Und trotzdem, mir war etwas mulmig als ich den Mann dann am Ende umarmte, mitsamt seiner AK47..

Auf der Rückfahrt dann gab es unglaubliche Bilder: die Strasse von Jalalabad nach Kabul ist die Hauptader zwischen Pakistan (Peschawar) und Afghanistan und somit voll der speziell in Pakistan angefertigten riesenlangen Lastwagen und Transporter, die dann jeder anders und individuell bemalt und verziert werden. Diese verzierten 25 bis 40-Meter Ungetüme kriechen dann die unglaublich steile Bergstrasse nach Kabul empor, die alles in den Schatten stellt, was ich an Pässen je gesehen habe. Klar haben wir gefilmt, aus dem Dach des Landrover heraus und so viel das ich mir nachts den Russ der Abgase in zwei Duschgängen habe abbürsten müssen. Da ist dann auch egal, dass das Wasser nach Eisen riecht und bräunlich ist. Was für ein Land.

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