Gestern fand auf 68 Berliner Bühnen die zweite „Lange Nacht der Opern und Theater“ statt. Ich war zum ersten Mal dabei und es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein. Das Prinzip: Man kauft eine Karte für maximal 15 € und hat damit von 19-01 Uhr Eintritt in alle Häuser. Es werden meist Ausschnitte gezeigt. Von Theater, Oper, Musical, Tanz bis zu Kabarett, Literatur und Avantgarde wird alles geboten. Zu schaffen wäre das gesamte Programm wahrscheinlich nur, wenn es einen „Monat der Opern und Theater“ gäbe.
Ich habe die ersten drei Stunden im UNI.T – dem Theater der UDK – verbracht. Die erste Stunde hat der 2. Jahrgang der Musicalabteilung gerockt. Dabei wurden Ausschnitte aus den Produktionen „Cool Age“ und „Songs for a new world“ gezeigt. Tolle Stimmen, interessante Typen, witzige Nummern. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und viel gelacht. Am 07. Mai ist in diesem Jahr die Premiere der gesamten Collage des zweiten Jahrgangs und ich denke, ich werde sie mir ansehen. Die Ausschnitte, die heute zum ersten Mal zu sehen waren, haben mich überzeugt und mir Lust aufs Ganze gemacht! Ich kann's nur empfehlen – geht hin!
Nach einer kurzen Pause gab es Klassik. Von der Abteilung Gesang und Musiktheater. Zwei Mozart Duette und je eins von Poulenc und Weber, gesungen von sieben Studentinnen. Da ich leider weder des Italienischen, noch des Französischen mächtig bin, war es meine erste Klassik Erfahrung ohne Untertitel - die ich bislang aus der Oper kannte. Aber ich kannte auch das Gefühl, dass mich meist nach kurzer Zeit den Text vergessen ließ. Ohne ein Wort zu verstehen war es wieder da mein „Oh Gott wie peinlich, wir sind doch hier nicht bei Pretty woman, aber es ist einfach zu schön“ Gefühl. Gleich die ersten beiden Studentinnen Julia Riemer und Carolin Löffler haben es mit „Deh, perdona...“ aus Titus von Morzart geschafft. Im Programm habe ich im Anschluss gelesen, dass Julia Riemer für eine erkrankte Kollegin eingesprungen ist. Also ziehe ich doppelt meinen Hut! Alle vier Duette waren auf ihre Art toll. Die humorigen Duette aus „Cosi fan tutte“ und „Freischütz“ waren ein schöner Kontrast zu Gänsehaut und Spannung bei „Titus“ und „Dialogues des Carmélites“.
Den krönenden UDK Abschluss bot dann er 2. Jahrgang der Schauspieler mit Ausschnitten aus Martin Heckmanns: „Schieß doch, Kaufhaus!“. Ich oute mich an dieser Stelle: Ich kannte bis Dato weder Autor noch Stück und hatte keine Ahnung was mich erwarten würde. Vielen Dank für die drei im Programm abgedruckten Sätze! Ich hatte schon während des Stücks Respekt vor den Schauspielstudenten. Diese komplizierten, verstricken, mit großen Gedankensprüngen versehenen Textfragmente so zu sprechen, dass sie zumindest zeitweise einen erkennbaren Sinn ergeben zu scheinen, ist tatsächlich ein Kunststück. Jetzt, da ich die Sätze vor mir habe und sie selber lese, erinnern sie mich noch mehr an Passagen aus Sarah Kanes „4.48 Psychose“, mit denen ich im Studium das Vergnügen hatte. Da half nur: Präzise Textarbeit und spielen was das Zeug hält. Das haben die sechs Studenten der UDK grandios gemacht. Sehr mutig, abgefahren, interessant, agil, witzig... Es war ein bisschen wie Oper ohne Untertitel: Den Sinn habe ich nicht völlig begriffen, aber das Gefühl war da. Gesehen habe ich sechs, sich deutlich voneinander unterscheidende Charaktere mit extremen Haltungen. Reale, normative Personen darzustellen war sicherlich nicht das Ziel der Darstellung. Neben sehr ernsten und fast bedrückenden Momenten gab es auch viel Komik, die sich aus der Ernsthaftigkeit mit welcher die Figuren ihr Ziel verfolgen, ergeben hat. Die Ausschnitte, haben mich neugierig auf Stück und Autor gemacht. Die Schauspieler haben mich überzeugt. Interessantes Ensemble, tolle Leute!
Danach habe ich mir noch Ausschnitte aus „We will Rock you“ im TDW angesehen. Das war genau der richtige Abschluss für diesen Abend. Wie ich Musicals von der Stage kenne. Super Darsteller und Tänzer, tolle Kostüme, eine klasse Show - auch in kleiner Besetzung vor dem schwarzen Vorhang. Die ganze „We will rock you“ Produktion läuft ab Oktober im TDW. Ich denke für Queen und Musicalfans ist sie ein Muss. Gestern Abend haben sie in jedem Fall schon mal 1A Werbung im voll besetzten Theater des Westens gemacht.
Bei der nächsten langen Nacht der Opern und Theater in Berlin werde ich mit Sicherheit wieder unterwegs sein. Es ist eine gute Möglichkeit sich einen Eindruck zu verschaffen, was wo läuft und interessant sein könnte, ohne gleich ein Vermögen dafür auszugeben. Mindestens zwei der Produktionen will ich mir nun ganz anschauen, also geht für mich das Konzept auf und könnte gerne häufiger stattfinden! Außerdem war es toll zu sehen, wie viele völlig unterschiedliche Menschen dieses Konzept in die Theater geführt hat. Vielen Dank an alle Beteiligten und vor allem an die Künstler für diesen super Abend! Das darf ich bestimmt auch im Namen meiner drei Freunde sagen, mit denen ich diesen Abend verbracht habe. Wir haben uns großartig, abwechslungsreich und auf tollem Niveau amüsiert!





