Ich habe mir gestern im Kino den neuen Film von Doris Dörrie „Die Friseuse“ angesehen. Eine herrlich ungeschminkte Komödie über das Leben einer arbeitslosen, alleinerziehenden Friseuse aus Berlin Marzahn.

Gabriela Maria Schmeide spielt die Hauptrolle der Kathi König, oder auch Frau Königin. Die Schauspielerin schafft es, den Fatsuit zu füllen. Wenn sie sich die Salamischeiben aus dem Kühlschrank ohne Brot in den Mund stopft, oder sich mittels eines Springseils morgens aus ihrem Bett hievt, glaubt man ihr das. Genauso wie die stillen, verzweifelten Momente der Figur. Sie setzt sich mutig dem Blick der Kamera aus, ohne etwas zu verstecken. Trotz der vielen Probleme mit denen sich Kathi König durchs Leben kämpft, ist sie keine Frau, die man bemitleiden würde. Der ganz eigene Charme der Kathi König lässt den Film nicht zu einem Drama werden. Die Komik ergibt sich oft aus ganz banalen, alltäglichen Momenten, die Kathi mit einer ordentlichen Portion bunten Selbstbewusstsein und Humor meistert.

Nicht nur Kathi König wird ungeschönt gezeigt, sondern auch alle anderen Figuren und die Stadt Berlin, in der der Film spielt. Mir als Wahlberlinerin gefällt das sehr gut. Ich freue mich immer meine Stadt und die Menschen die in ihr leben so zu sehen, wie sie ist. Das normale Leben findet eben nicht auf dem Ku'damm sondern in Marzahn, Hellersdorf oder Neukölln statt. Zumindest das Leben der Mehrheit der Berliner.

Neben den schönen, echten Bildern habe ich mich auch sehr über Maren Kroymann und Dorothea Walda gefreut. Maren Kroymann spielt die Chefin des Friseursalons in dem sich Kathi zu Beginn des Films bewirbt. Mit den Worten „Der Friseurberuf ist ein ästhetischer Beruf. Und Sie, Sie sind nicht ästhetisch.“ lässt sie Kathi kalt abblitzen. Maren Kroymann hat nur eine kleine Rolle, diese spielt sie aber wie immer hervorragend. Herablassend und kühl hinter einer freundlichen Fassade schafft sie es nach wenigen Augenblicken als Böse präsent zu sein. Dorothea Walda ist als Altenheimbewohnerin auch mit von der Partie – wie sollte es auch sein. Als „alte Frau“ mag ich mir Dorothea Walda gar nicht mehr weg denken, sie ist einfach immer wunderbar charmant.

Vielen Dank an Doris Dörrie für diesen Film, der pfundigen Frauen Mut macht und den Rest der Zuschauer gut unterhält, ohne Trübsal zu blasen oder platte Dicken-Witze zu machen.

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