Oder? Dabei will doch “tous le monde” eine Bühne sein. Und tatsächlich (wie Shakespeare sagte): Alle Fraun und Männer sind nur Spieler. Und die meisten sind Falschspieler. Schlechtspieler.
Guckt Euch um! Wundert Euch nicht! Soviele Pflaumen, wie man gerade beobachten kann, gab es schon immer. In unseren Breitengraden und in den letzten 150 Jahren ist für einige von uns einiges ganz gut gelaufen. Aber der Rest: Mieses Theater. Blut und Sperma. Und soviel Idiotie!
Der 30jährige Krieg: 8 Millionen Tote, die 21 Millionen Einwohner von Deutschland und Österreich auf 13 Millionen reduziert. Bei der Belagerung von Magdeburg zum Beispiel sind 25 000 der 30 000 Bewohner umgekommen. Der 30jährige Krieg war ja ein Ringen im Namen des wahren Christenglaubens. Aber hört mal! Wer da überlebt hatte, hatte wohl alles erlebt, was wir Erdenwürmer mit der angeblich so überragenden Intelligenz durchleiden können: Hznger, Seuchen, Plünderungen, Vergewaltigungen - da ist praktisch keine(r)verschont geblieben. Es wurde alles gegessen, was noch kreuchte und fleuchte bis zu Katzen und Hunden, aber auch was nicht (mehr) fleuchte: Eicheln und Gras, im Elsass auch das Fleisch Erhängter.
Aber wir wollen Wallenstein spielen? Gut manche wollen das nicht mehr, vor allem die, die das Geld nicht dazu haben; weil so ein Wallenstein auf der Bühne viel Personal braucht, sieht man von der Inszenierung ab. Also dann: mit weniger Personal und ganz tagesaktuell: “www.slums.de” von René Pollesch? Oder Sarah Kanes “4.48 psychose“? Oder Mark Ravenhill “Shoot / Get Treasure / Repeat“?
Hallo? Besser? Aber die Tragik! Wo bleibt die Tragik? Steht doch im Kanon. Ist doch Schulthema.
Doch nicht mehr zum Hunderttausendsten: ob Antigone ihren Bruder begraben soll oder nicht. Nein: Soll Gauck kandidieren oder nicht? Der erste Ostdeutsche, der Bundespräsident werden und damit den Abgang der ersten Kanzlerin besiegeln könnte, noch dazu einer ostdeutschen Kanzlerin. Hätte sie ihm nicht bloß zum 70sten mit Pathos gratuliert, sondern ihn ganz nüchtern nominiert, stünde sie top da. Auch sie eine tragische Figur - was sie auch tut, sie scheitert.
Warum also sollten wir immer nochmals sagen, es sei was faul im Staate Dänemark? Es gäbe neue Stoffe jede Menge. Wo bleibt die Komödie zum Thema Intelligenz und Religion? Da wäre längst was fällig. Wie sagte schon der arabische Dichter und Schriftsteller Abu’l-Ala-Al-Ma’arri (973 - 1057): “In dieser Welt gibt es nur zwei Sorten Menschen - intelligente Menschen ohne Religion und religiöse Menschen ohne Intelligenz.”
Es springen jede Menge Knalltüten rum. Noch immer. Guckt Euch um. So wie Kepler jede Menge Naturgesetzliches rausfand und dennoch an Hexen glaubte; so wie Luther gegen allen möglichen Unsinn der Römischen wetterte und doch an Hexen glaubte; genauso bilden wir uns was ein auf alles mögliche Moderne und glauben dennoch den größten Schwachsinn. Dabei ist das Leben wie ein koreanischer Video-Recorder: Wir packen ihn aus und - können die Gebrauchsanleitung nicht lesen.
Der Spott wird uns ausgetrieben. Notfalls mit Sprengstoffgürteln und Kofferbomben. Wenn sich die Armen auch sooo an etwas klammern müssen … So wie damals, zum Beginn der Aufklärung (ausgerechnet!), als die Würstchen 200.000 Frauen als Hexen verbrennen mussten, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Es hörte erst auf, weil die Henker zu teuer wurden. Und die Männer wehrten sich erst gegen das Foltern und töten ihrer Frauen, als sie dafür auch noch zahlen sollten. Ab dann verliefen die Hexenprozesse im Sande.





