April 15, 2012
Die Tage im alten Theater an der Neu-Ulmer Silcherstraße sind gezählt. Wir bauen im “Großen Haus” schon kräftig ab. Alle Vorstellungen bis Ende Mai werden noch im studio gespielt. Überlappend wird der Fundus schon umgezogen in die neuen Theaterräume am Neu-Ulmer Theaterplatz (Hermann-Köhl-Straße 1 – 3). Da dort die Lagermöglichkeiten absolut beschränkt sind, wir vieles verkauft oder weggeschmissen.
Derzeit läuft der Antrag auff Nutzungsänderung und das Baugesuch. Wenn alles so läuft, wie wir hoffen, beginnt der Ausbau der Theaterräume in der übernächsten Woche (ab 23. April). Es diese Woche gab ein wegweisendes Gespräch der konzipierenden Theaterleitterin Claudi Riese mit den Hauptbeteiligten: BauService Ulm (Bauleitung, Koordination), Elektro Sigel (allgemeine Elektrik), Schreinerei Bucher (Innenausbau) und Audio Express (Licht und Ton).
Kann mir jemand sagen, wo man Theatermachen lernt? Ich meine als freier Künstler, der sich selbständig und ein Theater "auf"macht (gründet). Eigentlich rutscht man da so rein - und wird immer wieder aufs Neue überrascht. So war ich überrascht, als ich von meiner Bank ein Schreiben bekam, in dem sie die "Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse fordert, weil sie "als Ihr Geschäftspartner an der Entwicklung der wirtschaftlichen Situation interessiert" ist und "weil diese Informationen eine wichtige Basis für unsere finanzwirtschaftliche Beratung darstellen".
Das Schreiben kommt mit schöner Regelmäßigkeit. Dabei kann das Theater gar keine Kredite aufnehmen, es kann nicht mal das Konto überziehen. Seit fast 20 Jahren weist der Etat so ziemlich die gleichen Zahlen auf (er ist niedriger als das Jahresgehalte zum Beispiel des Bonner Intendanten). Die geforderte Gewinnermittlung macht seit zehn Jahren das Büro, welches auch die Steuererklärung macht. Das Ergebnis wird von vier offiziellen Stellen geprüft.
Dem Steuerberater, der das Theater als Klienten nahm, hatte mangels anderer vergleichbarer Einrichtungen keine Routine. Da wurde zum Beispiel gefragt. "Weshalb wollen Sie denn so viele Paar Schuhe absetzen? Und dann noch in unterschiedlichen Größen?" Es klang heraus, als würde die Theaterleitung einen privaten Schuhtick kaschieren. Die Gegenfrage: "Wäre es nicht auffälliger, wenn alle diese Schuhe meine Größe hätten?" ließ ihn stutzen und dann lachen. Die Gagen der engagierten KollegInnen liefen jahrelang unter "Posten der Warenabgabe". Wir haben das nie verstanden.